Verhalten beim Vorstellungsgespräch

Aufgrund langjähriger Erfahrung in der Rekrutierung, sowohl in der Linie, als auch als Recruiter und unzähligen – oft erst im Nachhinein lustigen – Episoden, sowie auch immer wieder gestellten Fragen von Bewerbern und Bewerberinnen, haben wir uns entschlossen einen kleinen Leitfaden zur Vorbereitung auf ein – im besten Fall – erfolgreiches Vorstellungsgespräch zusammen zu stellen. Ja, es ist alter Wein in neuen Schläuchen. Und Sie werden das alles schon wissen. Sollte doch das eine oder andere klarer werden, so haben sicherlich alle Seiten gewonnen.  

Vorbereitung ist die halbe Miete

  • Wo befindet sich der Interviewort? Prüfen Sie frühzeitig auf der Karte den Anfahrtsweg und allenfalls Parkmöglichkeiten oder gehen Sie ein paar Tage vor dem Termin vor Ort, damit Sie später wirklich wissen, wohin Sie müssen. 
  • Was tut die Firma? Es ist zwingend, dass Sie sich eingehend mit dem Kerngeschäft Ihres (hoffentlich) künftigen Arbeitgebers auseinandersetzen, recherchieren und sich ein gutes Bild davon machen.
  • Wer ist Ihr Gegenüber? Auf Firmenwebsites, Xing, Linkedin, Facebook und Co. lassen sich heute mit wenig Aufwand wichtige und interessante Informationen über Ihren Gesprächspartner herausfinden, die Sie ggf. in einem Gespräch verwerten können.
  • Was wollen Sie im Gespräch herausfinden, was sind Ihre Ziele? Notieren Sie sich diese im Vorfeld, nehmen Sie diese mit und stellen Sie diese Fragen im Gespräch.
  • Schlafen Sie in der Nacht vor dem Gespräch genug und lassen Sie den Alkohol sein (beeinflusst die Schlafqualität negativ).
  • Verzichten Sie vor dem Gespräch auf ein allzu schweres Menü (ansonsten wird Ihre Konzentration darunter leiden) und verzichten Sie schon am Vortag auf Speisen mit kreativen Verdauungsauswirkungen (Knoblauch, Kebab, rohe Zwiebeln, etc.).
  • Seien Sie pünktlich. Reisen Sie frühzeitig an, damit Sie sich fünf Minuten vor dem Termin anmelden können. Wenn Sie es aus irgendeinem Grund nicht pünktlich schaffen (Stau, Geburt, Beinbruch, Zug verpasst, verschlafen), rufen Sie (frühzeitig) an.
  • Und noch etwas: Prüfen Sie Ihre Social Network Accounts und sperren oder löschen Sie Bilder und Inhalte, die Sie (zukünftigen) Arbeitgebern nicht offenbaren wollen. 

Der Tag der Wahrheit - «you never get a second chance to make a first impression»

Es klingt wohl absurd, aber die Realität zwingt einem diesen Punkt in aller Deutlichkeit zu akzentuieren:

Körperpflege ist keine Gesinnungs- oder Meinungsfrage – sie ist ein Muss, und stellt die Grundlage für jedes respektbasierte Gespräch dar:

  • Duschen Sie am Morgen vor dem Gespräch – im Hochsommer, bei 30°C evtl. auch direkt vor dem Gespräch, sollte dies logistisch irgendwie machbar sein.
  • Benutzen Sie ein Deo. 
  • Gehen Sie zurückhaltend mit Parfüms um. Eine eigene, positive Duftmarke ist durchaus erwünscht, aber übertreiben Sie es bitte nicht.
  • Rasieren Sie sich
  • Putzen Sie sich die Zähne und nehmen Sie für vor dem Gespräch Tic Tac oder besser noch Fisherman‘s Friend mit (keine Kaugummis).   

Seien Sie sich selbst und wahren Sie den Respekt zum Gegenüber

Wenn Sie sich in einem Industrieunternehmen als IT-Supporter bewerben, macht es nicht Sinn im Anzug zu erscheinen. «Angemessen» lautet die Zauberformel.

  • Schauen Sie sich die Firmenwebsite an, sind dort alle im Anzug abgebildet? Oder eher im T-Shirt?
  • Beachten Sie Branchenusanzen. Wenn Sie sich bei einer Bank bewerben, gehen Sie im Anzug bzw. Deuxpiece – Punkt. Schon bei Versicherungen kann das anders aussehen und wenn Sie bei einer NGO im Anzug auftauchen, kann das sogar kontraproduktiv sein.
  • Ziehen Sie Kleider an, in denen Sie sich wohl fühlen und die  Ihrer Grösse entsprechen.
  • Don’t Overdress / Don’t Underdress. Versuchen Sie möglichst auf Augenhöhe aufzutreten. 
  • Vermeiden Sie sichtbare überteuerte Labels.

 

Und bei völligem Unwissen? Wenn es nicht möglich ist, herauszufinden, was nun adäquat ist, halten Sie sich an Folgendes:

 

für Damen:

  • Rock (sollte min. Knielänge haben) oder stilvolle, dunkle Jeans oder Stoffhose.
  • dunkle Schuhe mit dezentem Absatz.
  • einfarbiges Oberteil mit massvoll akzentuiertem Ausschnitt.
  • Elegante Jacke (je nach Temperatur).
  • Schmuck ist in Ordnung, aber denken Sie auch hier daran: weniger ist mehr.
  • Stilvolles, dezentes Make-Up unterstreicht jedes Damengesicht. 

 

Für Herren:

  • Stilvolle, dunkle Jeans oder Stoffhose.
  • weisses Hemd (jeder Mann sollte mindestens ein Hemd besitzen. Übrigens, ist ein Kurzarmhemd ein No-Go. dann lieber im Polo-Shirt).
  • dunkles Jackett.
  • dunkle Halbschuhe (Leder).
  • Schmuck: Uhr und Ehering immer. Alles andere ist Geschmackssache. Ohrringe und Piercings sind ein Thema, wo sich die Geister scheiden. Gleiches gilt für Siegel- und Wappenringe. Kettchen am Handgelenk (oder auf der Brust) bitte weg lassen.
  • Falls Sie sich doch für einen Anzug entscheiden (vermeiden Sie dabei synthetische Stoffe) und eine Krawatte tragen, ist der oberste Hemdknopf zu. Wenn Sie keine Krawatte tragen, ist der oberste Hemdknopf offen.

 

Für alle gilt: 

  • tragen Sie den Gürtel und die Schuhe in derselben Farbe.
  • tragen Sie Kleider in Ihrer effektiven Grösse und nicht in Ihrer Wunschgrösse.
  • Im Zweifelsfall tragen Sie Ihre Tätowierungen nicht sichtbar. 

Was sind absolute "No-Go's" beim Vorstellungsgespräch

Diese Auflistung wäre und ist sicherlich eine unendliche Geschichte. Wir werden daher primär auf die Faktoren eingehen, die realitätsnah geschehen können.

  • Schlecht reden über den ehemaligen Arbeitgeber.
  • Schleimen oder Bestechen.
  • Mitleid erregen.
  • Bedruckte T-Shirts aller Art.
  • Politisches.
  • Religion.
  • Sexistische Bemerkungen.
  • Rassistische Bemerkungen.
  • Weisse (Turn-)Schuhe.
  • Kopfhörer.

Mittendrin statt nur dabei

  • Begrüssen Sie Ihren Gesprächspartner mit einem aufrichtigen Händedruck.
  • Setzen Sie sich erst, nachdem Ihr Gesprächspartner sich hingesetzt hat.
  • Seien Sie im Gespräch aufmerksam und machen Sie sich Notizen, wenn sinnvoll (Stichworte, kein wortwörtliches Protokoll).
  • Lassen Sie Ihren Gesprächspartner ausreden.
  • Wer fragt, führt. Stellen Sie Fragen, die Sie beschäftigen. Je besser Sie inhaltlich vorbereitet sind, desto spezifischer können Sie fragen.
  • Seien Sie ehrlich.
  • Bleiben Sie ruhig.
  • Halten Sie Ihre Hände auf oder über dem Tisch.
  • Schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen ohne sie oder ihn zu fixieren.
  • Lassen Sie Persönliches zu. Forcieren Sie es aber nicht (bitte keine Witze erzählen, ausser Sie werden explizit dazu aufgefordert). 

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Vergewissern Sie sich, dass, wenn das Vorstellungsgespräch beendet ist, beide Parteien wissen, wie es weiter geht. Wer meldet sich wann, wie und so weiter.

  • In jedem Fall, ob Sie den Job wollen oder nicht, beweist es Anstand, wenn Sie sich innert 48 Stunden nach dem Gespräch per E-Mail (oder Brief/Karte, wenn das Ihr Stil ist), aber nicht per Telefon (es sei denn, Sie haben das so vereinbart) melden. Sagen Sie danke für die Zeit und die investierte Energie.
  • Auch wenn das Gespräch unerträglich war und Sie mit Ihrem Gesprächspartner auf keine gemeinsame Ebene gekommen sind: danken Sie für das Gespräch. Erstens beweist es Stil und Anstand, zweitens können Sie tatsächlich aus jedem, auch oder gerade einem „schlechten“ Gespräch, etwas lernen. Und dafür ist ein Dankeschön nicht zu viel verlangt. Wenn es Ihnen wichtig erscheint, dürfen Sie hier durchaus auch Kritik anbringen, fragen Sie sich einfach vorher, was es Ihnen nützt und ob es etwas an der Situation ändert.
  • Unterstreichen Sie Ihre Absicht. Wenn Sie den Job wirklich wollen, dann ist ein reiner Dank, oft etwas wenig. Streichen Sie die wichtigsten Argumente heraus. Weshalb sind Sie von der Stelle so begeistert? Was möchten Sie im Unternehmen in dieser Position bewegen? Was ist Ihnen an den Menschen besonders (positiv) aufgefallen? Welchen Mehrwert hat das Unternehmen durch Sie in dieser Position?

Viel Erfolg

Nun sollten die grössten Fallstricke mal umgangen sein. Abgesehen von Murphy, Schicksal oder dem öffentlichen Verkehr kann nun (fast) nichts mehr schief gehen. Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft viel Erfolg und sind für sämtliche Dienstleistungen im Human Ressource Kontext und der Personalvermittlung von Fach- und Führungskräften, mit Fokus auf ICT, Ingenieurwesen, Betriebswirtschaft und HRM weiterhin jederzeit zu Ihren Diensten.